Das beste Buch der Welt

Hier entsteht langsam aber sicher das beste Buch der Welt. Ich schreib immer wenn ich Lust habe einige Sätze weiter. Chronologische Schwierigkeiten oder inhaltliche Abrisse gibt es dabei nicht, weil ich im wesentlichen keine Inhalte habe, schon gar keine Chronologie. Dafür aber mache ich was ich will und wenn ich will, höre ich sogar mitten im Satz

Busenbärbel und die Himmelsscheibe von Nebra

„Eh psst“ Ein Typ beugt sich verschwörerisch zu ihr rüber. Sie: „Hä?“ „Ja, pssst, brauchst du?“ Dabei zeigt er auf die Wölbung unter seiner ballonseidenen Sportjacke. „Was brauch ich?“ frage Sie. Sie heißt Busenbärbel und fährt gerade mit der Straßenbahn nach Hause. „Was denn nun Alte“ fragt der Typ, jetzt schaut Sie genauer hin, unreine Haut, fettige Nackenrolle, die Zähne Umbra. So sieht’s erstmal aus.

Busenbärbel heißt eigentlich gar nicht Busenbärbel sondern Ivanka Barbarovka. In ihrem Heimatland Servolatschistan war sie Schlusskriecherin einer servolatschistanesischen 4 x 85 m Krabbelgruppe. Im Olympiakader. 1983. Und noch mal 1984. Ivanka musste dann leider aufhören. Zum einen war neben Hormonen und allerhand Experimentalmedikamenten immer weniger Platz für Blut in ihren Adern und zum anderen war ihr der gigantische Vorbau beim Kriechen im Weg. Was sie zu ihrem „Künstlernamen“ inspirierte und zu einer Reise ins gelobte Deutschland mit Touristenvisa. Auch in ihre Nebendisziplin, dem „Wurmwürgen“ belegte sie irgendwann nur noch dritte und vierte Plätze. Zeit die Koffer zu packen, oder in Busenbärbels Fall den verschlissenen Stoffbeutel mit dem HB-Männchen, Überbleibsel einer flüchtigen Bekanntschaft mit einem Vertreter für Hochseeyachten, der anlässlich der BOOT 72 das unterentwickelte Binnenland Servolatschistan besuchte. Busenbärbel fliegt los. „Bitte die Schwimmwesten nicht aufblasen“ belehrt sie der schwule Stewart. Dann guckt er noch mal genauer hin.

Für den Bruchteil einer Sekunde wird es Dunkel in der Abfertigungshalle des Flughafens als sich Busenbärbel durch das 2m hohe Eingangsportal zwängt. „Here i’am, rock me like a Hühnerbehn“ donnert sie in Anlehnung an einen bekannten servolatschistanesischen Schlager. „Postleitzahlen! Das Wichtigste ist eine eigene Postleitzahl,“ hatte ihr ein Bekannter aus der Heimat mit auf den Weg gegeben.“ Und da war er auch schon der kleine Schalter, direkt am Flughafen, zusammengezimmert aus alten Milchtüten und einer Rolle selbstvulkanisierender rumänischer Rohnudel: „Herzlich willkommen in Deutschland“ anbiedert sich der 1,90 m große Schalterangestellte „haben Sie den schon Ihre eigene Postleitzahl?“ Busenbärbel schaut auf den Mann hinunter: „Steh erst mal auf wenn ich mit dir rede!“ sagt sie in der Annahme das Männchen würde wohl sitzen. „Also los, Postleitzahl her und dann ab dafür ich bin jetzt da – und ich geh hier nicht mehr weg!“ „Na dann kommen Sie mal mit“ zischelt der Schaltergnom diabolisch, schließt seinen Schalter ab und bugsiert Busenbärbel in seinen Kleintransporter: Wo diese in der zweiten Reihe Platz nimmt, und in der dritten. Ein gelangweilter Parkplatzwächter blinzelt dem davonbrausenden Kleinbus gelangweilt hinterher. „Was steht da? Postleitzahlen und Hostessenservic?“ Ja stimmt, steht da. Und so hat alles angefangen.

Achtung, jetzt folgt eine völlig zusammenhangsfreie Rückblende:

17. 6. 1981. Ich, der Autor dieses Textes, habe wenig Zeit. Mußte mich heute 5
Stunden freuen, dass meine Boxer-Jeans, wenn man das Schild abmacht,
und im Halbdunkel fast aussieht, wie eine Westjeans. 5 Stunden, viel Zeit
bleibt da nicht für was Anderes.
Jetzt mal ehrlich. Zurück zum Text.

„Was denn nun“ reißt mich der Straßenbahnfahrbanknachbar aus meinen Gedanken. „Hab ich in Nebra gefunden, bestimmt n Haufen Geld wert!“ zischt er mich an“ Er lupft die Joggingjacke und zum Vorschein kommt ein gammelgreller Sammelteller mit katzgoldenen Sprenklern. „Weißt du was Alter“ entgegne ich entnervt „du hat doch ne Scheibe“

Ich steige aus.

5. 4. 2002 Beim NWeiPD

Jerry war ein Schnüffler. Wie er im Buche steht. Nur erfolgloser als seine Romankollegen dafür aber mit Pensionsanspruch. Außerdem war er wohl auch der missmutigste von allen. Sein Missmut wurde eigentlich nur noch von seiner Langeweile übertroffen mit der er jeden Montagmorgen den zerflederten Schnellhefter mit der Aufschrift „aktuelle Fälle“ durchsah. Nein stimmt nicht. Er wurde auch noch übertroffen von seiner sexuellen Frustration, seiner Longisentiphrasophobie (dt. Angst vor langen, sinnlosen Worten) und seinem Hass auf Ebay-Mitglied schummel400. Von ihm hatte er versucht einen Staubsauger zu kaufen. Bekommen hat er eine Schalmei aus Mischbrot. Die brachte keinen Ton raus und begann schon bald zu krümeln. Krümel hatte Jerry schon. Deswegen wollte er ja einen Staubsauger. Es war nicht viel los in Neu Weinheim einer 1000 Seelen-Gemeinde im ehemaligen Zonenrandgebiet. Mal brennt der einzige städtische Papierkorb mal raubt Seniorenstiftbewohner „Alter Achim“ einen Strauß Astern um ihn seiner verstorbenen Hausangestellten „Alte Maria“ aufs Grab zu stellen. (Neu Weinheimer Bote 17. 3. 1977: Schnittblumenmassaker in der Weinheimer Innenstadt –Die Polizei guckt zu!)

Hier in der Neu Weinheimer Polizei Dienststelle (kurz NWeiPD) gab es eigentlich nicht viel zu tun. Einziger Aufreger war der seit einiger Zeit eröffnete Wohnwagenpuff „Busenbärbelsbummsbude“ am Rande der kleinen Stadt, der sogar Gesocks aus den umliegenden Gemeinden Alt Weinheim, Schwanzbach und Bad Brezel anlockte. Wenn Freitags „All you can Fuck Nacht“ angesagt ist, schaut sogar Jerry vorbei, zu Sicherheit und auch um sich im Auftrage des Gewerbeamtes von der Aufrechterhaltung des Mindeststandards der angebotenen Dienstleistungen zu überzeugen.

Jerry döst. Die Tür fliegt auf. Vor Schreck rutschen Jerrys Beine von der herausgezogenen Schublade, die er aufgezogen hatte um bequemer zu dösen. Die darin aufbewahrten, größtenteils gelehrten Jägermeisterschluckis klappern. Jerrys Chef, Direktionsleiter Detlef Hildebrand-Schlimmermach steht in der Tür. Dessen seidenes Oberhemd eine Nuance zu eng, bzw sein Oberkörper eine Spur von Pasta, Scampi und lecker Rotwein der letzten Wochen überzeichnet. Hildebrand-Schlimmermach raunt Jerry verschwörerisch zwinkernd zu: „Jerry ich habe da einen Mörder für dich!“ Jerry glaubt im ersten Moment das dass nur bildlich gemeint sein kann, aber sieht im zweiten, das dass mitnichten so war. Neben Hildbrandt-Schlimmermach steht ein Mann, der einen wuchtigen, bluttriefenden Dolch in der Hand hält, verwirrt guckt und murmelt: „Ich war’s, ich geb’s zu!“

Jerry fängt sich langsam, nimmt ihm das Messer aus der Hand, lässt es in die Jägermeisterschluckischublade fallen und donnert diese mit einem Fußtritt zu. Draußen auf dem Flur gibt es Krawall. Zwei Polizisten einer Sondereinsatzgruppe treten und stoßen einen Trompeter in Handschellen über das ausgetretene Laminat. „Dir werden wie schon helfen“ rüpeln sie. „Musiker, der sich verspielt hat“ kommentiert Hildebrand-Schlimmermach, der noch immer teilnahmslos in der Tür steht süffisant und reagiert damit auf die fragenden Blicke Jerrys und des Mörder. „Grrrnnnpfhmmgrnnn“ dringt es aus dem mit einem Diensthandtuch geknebelten Mund des Musikers, da wird er auch schon in das benachbarte Dienstzimmer gestoßen. Die Tür fliegt zu. Hinter der eingesetzten Riffelglasscheibe schaukelt lustig ein Schild: Sonderkommando Jazzpolizei.

„Also los.“ wendet sich Jerry an den Mörder. „Dann erzähl mal. Aber ganz von vorn!“

„Krawuuuhtsch“. Ein faustgroßes, schwarzes Gequaddel donnert an die frisch geputzte Scheibe eines Buswartehäuschens in Neuweinheim „Scheiße, sagt sich die wie oben geschildert verunfallte Kettensägenfledermaus Jenifer: „Flügel gebrochen, gehe ich eben zu Fuß weiter.“ Die Kettensägenfledermaus ist ein endemisch vorkommendes Flattertier. Kurze Beine, flache Flügel – im Volksmund „Flatrat“ genannt. Humpelnd macht sie sich zu Fuß auf den Weg, immer die staubige Landstraße entlang, die sie wieder zurück nach Hause bringen soll. Unbemerkt lauert die nächste, diesmal tödliche Gefahr in Form eines Kleinbusses. Darin Busenbärbel und ihre Postleitzahlenverheißende Flughafenbekanntschaft. „Was war das?“ fragt Busenbärbel, als im Inneren des Busses ein leises, dumpfes Platschen zu hören ist. Jenifer hat’s eiskalt erwischt. Von hinten. Die Augen standen 1 cm aus den kleinen Augenhöhlen, kurz bevor sich die Arme noch zwei Runden mit dem abgefahrenen Reifen des Busses mit dreht. Ein seltenes Tier endet im Inneren eines Radkastens. Schade eigentlich und auf jeden Fall unansehnlich. Jenifer war aber auch vorher schon sehr hässlich.

„Was ist denn nun mit meiner Postleitzahl“ beginnt Busenbärbel im Bus zu drängeln. „Nanana, immer mit der Ruhe, du bist Gast hier. Da musst du dich schon nach unseren Regeln richten.“ entgegnet Lars der zwielichtige Helfer von Airport. „Ich schlage vor, wir gehen erstmal einen Happen essen.“ Der Kies knirscht unter den Reifen als der Kleinbus auf dem Hof des heruntergekommenen Vorstadtkneipe „Berndisbruzelbar“ einbiegt. Die Kaschemme liegt vor den Toren der Stadt Neuweinheim und läuft seit gefühlten 60 Jahren schlecht. Behauptet jedenfalls „Alter Achim“, der früher hier beruflich das alte Frittenfett abzuholen hatte, und in dieser Eigenschaft eigentlich niemals bei berndisbruzelbude was ab zum holen hatte, gesundheitspolizeilich bedenklich, ordnungsamtlich skandalös und kulinarisch im Nachhinein ein unterschätztes Warnsignal, aber lassen wir das. „Pffff“, macht der Kühler als Lars den Zündschlüssel rauszieht und „Glitsch“ der Kettensägenfedermausrest, der sich nicht mehr im Radkasten halten kann.

„Kartoffeln, Ei und Senfsoße“ weist Busenbärbel den herbeigeeilten und sehr schmuddeligen Wirt an. Beim Wort Senfsoße wurde Berndi, so hieß der lustlos seinen Block zückende Besitzer von Berndisbruzelbar, also dieser Berndi aschfahl im Gesicht, setzte sich auf einen der wackeligen Schemel und stiert apathisch den Kopf wiegend vor sich hin. „Was’n jetzt los?“ wendet sich Busenbärbel fragend an Postleitzahlenlars. „Ach so, naja, kannst du ja nicht wissen. Hier war doch 87 die große Soßenkatastrophe. Viele Neuweinheimer haben damals Angehörige verloren als sich die Soßenfluten in die Stadt ergossen haben. Das war doch hier alles Zone damals. Berndis Bruzelbar war damals eine stalinistischer Versorgungsstützpunkt mit Wartegemeinschaftsgarantie besonders an Sonn- und Feiertagen und natürlich mit der üblichen sozialistischen Einheitssoße.“ führt Lars weiter aus. „Hat doch damals Walter Ulbricht angeordnet, dass alle Gästerversorgungsstützpunkte an das RGW-Soßenverbundsystem angeschlossen werden müssen. Und dabei hör ich ihn noch: „ niemand hat die Absicht eine Soßenverbundleitung zu bauen…“ Muss man sich heute mal vorstellen, ein 200er Rohr, durch das mehlige Pampe aus Sibirien gepresst wird, menschenverachtend auch, uhhh, ekelig.“ Lars spukt aus, Busenbärbel blickt ungläubig zu Lars und dann zu Bruzelbernd. Der schaukelt immer noch apathisch vor sich hin. „Und an irgend einem Tag, Mitte September war‘s, am elften glaub ich, na und da ist die Leitung eben geplatzt. Materialermüdung hieß es offiziell, aber viele Neuweinheimer behaupten damals es war Uzgör der Dönermann, der in einem terroristischen Anschlag die Leitung zertöppert hat. Uzgör lebt übrigens heute immer noch in Neuweinheim. Hat jetzt n Ski-Verleih: „Uzgör SCHI hat“ „Quatsch mit Soße“ beendet Busenbärbel die Ausführungen ihres Begleiters. „Machste eben Spinat mit Ei. Aber Zackzack!“ ruft sie Bernd zu.

Das hört Bernd allerdings nicht mehr. Mit starr aufgerissen Augen liegt der neben seinem Schemel, ein wuchtiges Küchenmesser ragt ihm aus dem Brustkorb. Zu unerwartet kam die Frage nach Soße, zu sehr hat ihn die historische Schilderung von Postleitzahlenlars aufgewühlt. Bernd wählt den Freitod. Es ist November nur die ganz sturen Blätter klammern sich noch an den Ästen des Kastanienbaums fest, der sich friedlich wankend im Vorgarten von Berndisbruzelbar dem nahen Winter entgegen stemmt.

Es war einer jener Tage, an dem Jerry sich weit weg wünschte. Weit weg von Hildebrand-Schlimmermach, dessen lustloser und irgendwie angeschwulter Kumpelei ihm, Jerry gegenüber. Weit weg vom muchteligen Sprelacart Schreibtisch, der Jerry vor 12 Jahren zugewiesen wurde. An der Stelle, wo Jerry immer seine Ellenbogen aufstützte, um von einem besseren Leben träumend aus dem klitzekleinen Fenster zu schauen, war er, der Schreibtisch schon ganz abgenutzt und stumpf. Die ehemals vorhandene Pfeffer und Salzstruktur der Arbeitsplatte war verschwunden wie die Illusionen des deutschen Provinzbullen in Jahren bürokratischer Erstarrung. Viel lieber wäre Jerry Zauberer geworden. War damals nicht möglich. Seine Eltern hatten das Geld für ein gutes Zaubergymnasium nicht aufbringen können. Es war eine traurige Kindheit. Jerry hatte einen Bruder. Gemeinsam hatten beide gerade mal einen Legobaustein. Bau mal was, mit einem Legobaustein! Oft konnten Jerry und sein Bruder sich nicht einigen. So hatte irgendwann Jerry den Baustein Dienstag, Donnerstag und Samstag, allerdings nur am Nachmittag. In der verbleibenden Zeit hatte sich der kleine Jerry als Spielzeug mit dem zufrieden zugeben, was die Natur im bot. Oft genug sogar nur mit dem, was ihm sein eigener heranwachsender Körper an Körperteilen kostenlos zur Verfügung stellte.

Geburt und Aufzucht des kleinen Honk

Gott trödelte 6 Tage rum. Schöpfte hier was, kreirte da was: Wasser, Wald, Würmer – Pille-Palle! Für die Krönung seiner Schöpfung lies er sich Zeit. Den Menschen. Der Mensch also ist das Letzte, hingeschludert am siebenten Tag. Abgeliefert ja, gerade noch rechtzeitig und na ja verbesserungswürdig. Die „Verschieberitis“ ist demnach älter als der Mensch, aber 7 Tage zur Erschaffung eines Menschen – Respekt! Das war lange Zeit ein Top-Score. Allerdings nur bis zur Geburt des kleinen Honk.

Die Flecken der Empfängnis waren noch nicht aus Marias, Honkens Mutters Kittelschürze heraus gewaschen, da kam er, gefühlt von „Jetzt auf Gleich“ noch am Tage seiner Zeugung zur Welt. Er hatte einen sehr großen Kopf und stellte die Hebamme vor ein Rätsel: „Was ist es?“ fragt Jens, Honks Vater, der im Türahmen stand, nicht näher kommen wollend weil er grundsätzlich von ängstlicher Natur war, „Was ist es?“ fragte Jens erneut die verstört blickende Hebamme die Honk in den Händen hielt und von allen Seiten betrachtete. „Sagen Sie schon, ein Junge oder eine Mädchen?“ „Es ist ein Honk“, antwortet diese wahrheitsgemäß und ließ den Kleinen in die eilig herbei geschaffte mit Couchkissen und frischem Heu ausgepolsterte Zinkbadewanne plumpsen. Nicht die Tatsache, dass Honk von Anfang an reden konnte sollte später ganze Scharen von Wissenschaftlern beschäftigen, sondern was er sagte, sein erster Satz also, gibt bis heute Anlass zu wilden Spekulationen. „Was’sn das für einen vertrocknetes Einhorn da drüben auf dem Klavierhocker?“ lautete dieser erste Satz, gesprochen von Honk, dem besonderen Kind. Ein großer Kopf mit leicht basedowschen Augen schaut über den Rand der Zinkbadewanne in die entsetzten Gesichter von Jens und Maria, Honks Eltern. Die waren doch sehr überrascht, nicht davon das ihr Honk sprach, sondern davon, dass sie gar keinen Klavierhocker hatten, überhaupt kein Instrument, wenn man es genau nimmt, ja regelrecht unmusikalisch waren. Das einzige Instrument das Honks Vater jemals in den Händen hatte war ein „Honk-Gong“ den er aber auch nicht spielen konnte und der erst erklang, als er ihm von seiner Frau Maria im Scherz gegen den Hinterkopf gedonnert wurde. Über das Phänomen, das ein neugeborener Honk überhaupt reden konnte gibt es verschiedene Theorien. Die gängigste ist es, das offensichtlich viele Prozesse im Leben des kleinen Honk anders herum abzulaufen scheinen. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Honk zwar von Anfang an reden konnte, dafür aber während seines gesamten sechsten Lebensjahres kein Wort gesprochen hat. Auch andere frühstkindliche Reflexe kamen bei Honk später, blieben ihm dafür aber ein Leben lang erhalten. Der Drang an der weiblichen Brust zu saugen zum Beispiel, überkam Honk etwa im Alter von 14 Jahren und sollte, wie sein späterer Biograf Sir Norman Fipps berichtet, bis ins hohe Alter anhalten. Der Gemeindepfarrer und Hobbyschlagersänger Pater Iltis auch bekannt als der Bandleader der „Singenden Särge“ einer Musikgruppe buchbar für alle Arten Beerdigungstänzen wurde herbeigerufen um den Honk zu taufen, auf den Namen Honk übrigens. Bot sich ja an. Sir Norman Fipps: „Ich glaube der Name Honk war die onomatopoetische Umsetzung (lautmalerische Umsetzung) des Geräusches das die Kinnlade des Honkvater Jens machte, beim Runterklappen als dieser, also Jens ihn also Honk das erste mal sah.“Ok, da war er also der kleine Honk, das besondere Kind, und gleich sollte er eigentlich auch schon wieder weg. Nicht mehr der Jüngste und auch schon von nachlassendem Augenlicht, so setzte sich Pater Iltis aus Versehen und noch am Tage der Taufe auf den kleinen Honk, der in den Augen des greisen Geistlichen sowie im Halbdunkel etwa so aussah wie einer dieser gesteppten Kunstlederhocker aus den sechziger Jahren. Worauf der kleine Honk das tapsige Verhalten seines Täufers mit einem kakophonischen Gemisch aus Brummen, Quietschen, Knattern und noch irgendetwas aus dem Ultraschallbereich quittierte. Beim ersten Schrei zerbarsten alle Gegenstände aus Glas in Maria und Jensens Haus. Beim zweiten Male nicht. Da waren sie schon alle kaputt.

Ende Teil 1.
Lesen Sie in Teil 2:
„Das Wirken des Honk – Ständige Ablehnung und Stühle, was sehr blöd ist
besonders bei Lehnstühlen, – wie es also weiter ging mit dem Honk, oder eine
kleine Kulturgeschichte des Stuhls.“

Viele wissen es nicht mehr. Unsere Vorfahren haben eigentlich die ganze Zeit rumgestanden und doof geglotzt. So wie heute, dass überall Stühle rumstehen, war es viele Jahrhunderte nicht. Historische Exemplare alter Stühle, oder nennen wir sie mal Sitzgelegenheiten der Altvorderen gibt es als soziokulturelle Randerscheinung heutzutage allenfalls im Museum zu sehen. Man stelle sich also den fleißigen mittelalterlichen Landmann vor, der nach einem anstrengenden Tag auf dem steinigen Acker Lust hatte sich ein wenig hinzusetzen. Die wenigsten gingen damals extra ins Museum, die meisten machten das, was damals allgemein üblich war, sie standen rum.

Sir Herbert Carter der berühmteste A-chair-ologe (Stuhlforscher) aller Zeiten entdeckte wohl einen der ersten historischen Stühle der Welt, einen vergoldeten Thronsessel des Knabenkönig Tunt Ench Anus. Auf diesem soll jener, späteren Forschungen zufolge, mehrmals täglich nach allen Regeln der Liebeskunst, die eingefädelte Scheinehe mit seiner Königsgemahlin „Anke sehn am Huhn“ gebrochen haben indem er einen seiner insgesamt 365 Lustknaben gepflegt in den Popo bummste.

Es wundert aus stuhlhistorischer Sicht heute übrigens kaum jemand, das es gerade in dieser prähistorischen „drunter und drüber Zeiten“ selten zu Aufständen kam. Wie auch, zum Aufstehen müsste man je erst mal sitzen. Und dafür gab es einfach zu wenig Stühle.

Leonardo da Honci (ein Uhrahne des heutigen und obig erwähnten Honk) war es, der wie so oft seiner Zeit voraus, erste krakelige Bleistiftzeichnungen funktionierender Sitzgeräte schuf. Diese nutzten physikalische Prinzipien aus, die im Grunde bis heute beim Sitzen auf einem Stuhl angewendet werden. Aber so einfach war es nicht. Bei den ersten Entwürfen eines Stuhls hatte Leonardo Da Honci noch nicht die Schlüssel-Idee von Stuhlbeinen. Sein erstes halbwegs ernsthaftes Model wies immerhin schon zwei Beine auf. Eines hinten in der Mitte und ein weiteres vorne links.

„Nun was sagste“ fragt Da Honci den Schreiber Erwähnix seinen Stuhl zeigend, und auf eine schützende Patentschrift aus. Erwähnix war den ganzen Vormittag damit beschäftigt extrem langweilige kleine Ortschaften erstmals urkundlich zu erwähnen und deshalb froh über jede Abwechslung. Erwähnix sah den Stuhl an und antwortete: „Geht so!“ Und ja es ging so. Der erste Stuhl ist also gegangen. Eine Episode, die als der „Römische Stuhlgang“ in die Analen eingehen sollte. Eine Vorstufe übrigens zum heutigen „Heiligen Stuhl.“

Der Stapelstuhl Aurora – Oder wie der Absinth erfunden wurde

Nein, es war nicht der Abt der den „Sinth“ erfunden hat, den „Absinth“ also, jene haluzinogene Plörre, die für manchen Rausch verantwortlich, Henri de Toulouse-Lautrec den Verstand, Vincent van Gogh das Ohr gekostet hat, bei letzterem dafür gesorgt, das die Ohren „absinth“, zumindest zur Hälfte, und auch das ist kein verbrieftes Herkunftszertifikat für den Namen dieses hochprozentigen Hexenzeugs: Absinth.

In Wirklichkeit war es ganz anders. Nämlich so: Gelangweilt steht Frank Schmidtchesceu an die Wand gelehnt, in der zum Labor umgebauten Gefängnisszelle und bewacht zwei Gefangene. Schmidtchescue, Elite Soldat der rumänischen Securitate, popelt versonnen mit seinem vietnamesischen Nachbau eines Schweizer Offiziersmesser unter seinen langen, schmutzigen Fingernägeln herum und lässt sich kaum von den zwei Sträflingen ablenken, die ihm gegenüber, sich gegenseitig verschwörerisch anblickend, mit großen Holzpaddeln in einem Kübel, übelriechendem Inhalts herumrühren. Die Aufgabe der Strafgefangenen: endlich die bahnbrechende Erfindung eines plastenen Stapelstuhls, in monoblockbauweise, billig herzustellen und gerade so geeignet den ganz sicher unmittelbar bevorstehenden Krieg Rumäniens gegen den Rest der Welt, quasi als Wunderwaffe entscheiden zu beeinflussen. „Dimitrea Schaukesvielistrieastitschesceu“ sollte der Stuhl heißen, jedenfalls ursprünglich, das jedoch konnte vom großen Führer der Nation nicht flüssig ausgesprochen werden, musste doch jedes Mal die polierte Schreibtischplatte vom versprühten Sabber des Nicolae Cheauchesceu gereingt werden, und sollte deshalb dann doch lieber „Aurora“ heißen, der Stuhl. Die Erfindung des Absinths also, ohne allzu sehr vorzugreifen, hat einiges zu tun mit der Erfindung des Stapelstuhls „Aurora“ Aber zurück zur Geschichte.

Die beiden Gefangenen waren Wissenschaftler namens Dr. No und Dr. Bel, spätere Nobel-Preisträger übrigens, da nicht für, also für den Absinth, sondern für die Erfindung der nahtlos beschmierbaren Doppelschnitte mit dem begehrten Preis ausgezeichnet, die nahtlose Doppelschnitte eine Gundsatzentwicklung auf die noch heute die meisten Frühstücksschnitten zurückgehen, aber apropos zurückgehen, lassen sie uns zurück zur Geschichte gehen. Es gab ja nichts im ehemaligen Rumänien oder besser gesagt im Rumänien der ehemaligen Zeit, genau so übrigens wie heute, wo es auch nichts gibt außer vielleicht viel Gegend und weitgehend endemisch vorkommende Blutsaugerpopulation, die wiederum erfolgreich genutzt werden, vor allem zur Ankurbelung des pauschalen sogenannten „Nur Hin! – Tourismus“ in die ansonsten unbeliebte Karpatengegend. „Baue mal einen Stapelstuhl aus Fingernageldreck, auf dem Zellenbodenlaminat zusammengeklaubten Wollmäusen und Fledermauskotze!“ frotzelt Dr. No gerne. „Ja, ja da hast du Recht!“ pflegt ihm Dr. Bel dann jedesmal bei zu pflichten. Aufgrund des allgemeinen Mangels an Allem wurden die Experimente der beiden Ausnahmewissenschaftler immer verzweifelter und erreichten an diesem historischen verregneten November Tag im Rumänien des Jahres 1939 ihren Höhepunkt. Frank Schmidtchesceu war in seinen hygienischen Bemühungen mittlerweile zum Reinigen der Zahnzwischenräume übergegangen und es huschte ihm gerade ein kleines Lächeln über die Lippen, offenbar weil er dort ein besonders nahrhaften Speiserest entdeckt hat den er sofort genüsslich und lautstark herunterzutscht.

Die beiden Wissenschaftler sahen sich übrigens deshalb so verschwörerisch an, weil ihnen an diesem verregneten Novembertag sofort klar wurde, wie sehr sie die Weltherrschaftsträume des Karpatenstaats mit dem zerstören würden, was da gerade im Kessel und beim Schein einer russischen 15 Watt Glühbirne vor sich hin gluckerte. Dr. No hatte aus der Kantine einen Mundvoll rumänischer Kuddelsuppe in die Zelle Schmuggeln können, und sich danach heimlich in den Forschungskessel erbrochen. Auch Dr. Bel hatte an diesem Tag Glück: Sein schon vor Wochen gestellter Antrag auf einen spiritusbetriebenen Pürierstab wurde genehmigt und ausgeliefert. Allerdings nicht exakt nach seinen Wünschen denn er bekam statt des Pürierstabes einen gut abgehangenen rumänischen Industrieweichkäse von dem selbst der große Führer nichts hielt, und zwar mit den Worten „Weg mit der Scheiße, stellt dieses Stinkding doch der Forschung zur Verfügung“. Gesagt getan. Zusammen gerührt und fertig war das, was viel später Absinth heißen sollte aber vorher, Securitate Mann Frank Schmitchesceu das Leben kostete, der neugierig war und von dem selbsterfunden Recht des ersten Schluckes gebrauch machte, starb, und den Weg für eine erfolgreiche Flucht der beiden Wissenschaftler frei machte.

Der Rest ist Geschichte.

Hier gehts nach der Werbung weiter mit einer ganz anderen Geschichte. Ein wunderschöner alter Comic wird neu erzählt. Es geht um Trom und Strippi: Herr Trom heißt mit Vornamen Peter. Was ihn, seitdem er Kindesbeine hat, zum Trom Peter machte wie eben auch seine aktuelle Freundin die Schmidt Uta, die sich jetzt, weil sie als Stripperin für Mc Donalds arbeitet, allerdings längst Chicken Mc Nackich nennt.